Thursday, October 19, 2017

Ein iberisches Pferd??!!

Nachdem jetzt auch in der InRide dazu etwas erschien, und mich doch einige Menschen erstaunt oder auch etwas neidisch ausfragen, möchte ich ein paar Worte zu der Frage sagen, was meine Erfahrungen mit der Suche nach einem iberischen Pferd sind...

Wo fange ich an.

Vor gut 10 Jahren war ich mit Chris einmal in Andalusien im Urlaub, auf der Dehesa Montenmedio. Das ist eine Anlage bei Vejer de la Frontera, wo auch große Turniere ausgerichtet werden, wo man zu der Zeit aber auch wunderbar Urlaub machen konnte. Dort entstand das erste und für lange Zeit einzige Foto von mir mit einem PRE Hengst. Bondadoso. Dieses Foto existiert in meinen Alben. Damals hatte ich an sich kein großes Interesse an iberischen Pferden, also zumindest nicht im Hinblick auf einen eventuellen Kauf, da ich Vielseitigkeit geritten bin und natürlich daher die Trakehner, die ich hatte, optimal geeignet waren und mir viele, viele schöne Stunden mit dieser Disziplin geschenkt haben. Ich denke immer wieder gern daran zurück.

Leider kam es dann aber so, dass ich eine - und dann zwei - künstliche Hüfte/n benötigte. Kam ganz plötzlich, ich war bei der ersten OP 44 Jahre alt und konnte vor der OP kaum mehr Reiten bzw. eine Treppenstufe ohne Schmerzen gehen. Das war ziemlich hart, auch wenn ich natürlich weiß, dass es VIEL schlimmere "Krankheiten" gibt als eine Hüfte. Dank der modernen Medizin bin ich nun, sieben Jahre später, ja auch weitestgehend und hervorragend wiederhergestellt.

So. Und in den sieben Jahren habe ich mich natürlich gefragt, ob noch oder wieder Reiten kann. Ich dachte lange, das wird gar nicht gehen und war umso glücklicher, als ich dann feststellte, dass es im Grunde wieder geht - sogar besser als vorher (mit den eingerosteten Teilen). Dennoch ist die Beweglichkeit in der Mittelpositur (wie es das Dressurprotokoll gern ausdrückt) nicht mehr so ganz optimal. Ich arbeite zwar hart daran... So machte ich mich dann schlau, welche Pferderassen für so eine Art Behinderung geeignet sind und hörte immer wieder: Die iberischen Pferde sind Sitzsofas. Blödes Wort. Ich konnte das kaum glauben, aber fing an, mich schlau zu machen.

Verkaufsanzeigen. Zuerst habe ich viele Verkaufsanzeigen über die üblichen Wege angesehen. In Deutschland scheint es viele Vermittler zu geben. Schlussendlich war mein persönlicher Eindruck irgendwann der, dass der Kundenkreis für diese Pferde offenbar einfach nur "hübsch und lange Mähne" sucht. Das Gros der Pferde war relativ teuer, und ansonsten maximal basisgeritten (so drücken die das gern aus), bzw. spätestens auf dem Video dann alles andere als reell gearbeitet. Ausnahmen gab es natürlich und wenn das Pferd wirklich Qualität hat, dann sind für Hobbyreiter utopische Preise aufgerufen. Hier vergleiche ich einfach mal mit "unseren Warmblütern", wo ich ja nun jahrelange Erfahrung habe und den Markt in etwa kenne. Also Quintessenz: nix gefunden.

Kontakte über Facebook. Danach habe ich auf Facebook einige einschlägige Gruppen besucht. Da sind sehr interessante und hilfreiche Kontakte draus entstanden, u.a. zu Caro Seger, die bei Tarifa zunächst sehr qualifiziert (sie ist selbst Tierärztin) Notpferde vermittelte, und mittlerweile sich auch Pferden widmet, die nicht in Not sind. Aber auch einige andere nette Kontakte. Dennoch war leider nie etwas für mich dabei, da ich schon ein recht anspruchsvolles Suchschema habe. Mit zwei künstlichen Gelenken kann ich mich keinem Pferd mehr widmen, das "schwierig" ist - in welcher Hinsicht auch immer. Dann habe ich leider meine 80kg auf den Rippen, was ich als Reiterin GARNICHT gut finde, dennoch: dieses Pferd muss eine gewissen Größe (um die 160) und Stabilität haben, damit wir zusammen passen. Und dann habe ich natürlich von meiner Reiterei her einen hohen Anspruch an die Rittigkeit des Pferdes. Auch wenn wir nur Freizeit reiten wollen! Das ist ein großes Problem: kaum formuliert man, dass man nicht mehr als 20.000,- EUR für sein Freizeitpferd ausgeben will, werden einem die Restposten aus der Großhandlung angeboten. Warum kann jemand, der "nur" Freizeit reiten will, nicht auch ein wirklich anspruchsvolles, passables und gesundes Pferd reiten wollen?

Deutschland oder Spanien/Portugal. Naja, zunächst wollte ich weder nach Spanien noch nach Portugal reisen und eine wirkliche Pferdesuchreise, wie viele das machen, stand auch nie zur Debatte. Dennoch glaube auch ich, dass wenn man einen PRE oder Lusitano sucht, es durchaus Sinn macht, sich gut vorbereitet auf die Reise zu machen. Ich hatte es offen gesagt, nach vielen Diskussionen mit meinen Facebook-Bekannten, denen ich noch heute sehr dankbar bin, aufgegeben. Wirklich. Bis plötzlich die Anzeige für Capote auf dem Lusitano Marketplace erschien. Ich habe diese Anzeige gesehen und dachte "das ist Dein Pferd". 10 Jahre alt, 160 groß und gut ausgebildet. Innerhalb von 2 Wochen habe ich den Flug gebucht, bin hin und habe ihn gekauft.

PS: Ich bin ganz klar hin mit der Ansage "ist er es nicht, fährst Du natürlich auch ohne Pferd wieder heim!" und ich habe keine (!) anderen Pferde dort angeschaut, obwohl mir da so einige angeboten worden sind. Ob ich das hätte tun sollen, weiß ich nicht. Aber so hatte ich jedenfalls drei sehr interessante Tage in Portugal und am Ende mein iberisches Pferd. Achtung, das ist KEIN SPANIER! Sondern ein Lusitano.

Wednesday, October 18, 2017

Capote

I will introduce my new horse Capote to you - in English, as I guess his Portuguese part of the family may want to read this chapter too... In Portuguese, Capote means coat. I understand it is the coat that the toreros wear in a bullfight. His breeder is Vinhas stud located near the Sado river in Portugal. They breed horses for bullfights. I learned a lot about Portuguese breeding while I was in Portugal to see Capote.

After five weeks in Germany, this 10yrs old gelding of the Lusitano breed has really shown stamina. He is about to move to our house in a couple of weeks. In the meantime, he and Cockpit are both staying at a nearby Equestrian Center. The best news is: they are best friends already.

Coming to say a few words about the character of this horse. I think if you make a friend and you have to take such a decision as to have a horse travel from Portugal to Germany, there is never sufficient time but a very first impression that makes you think he is the right partner for you. It is a little bit like gambling. It was not so easy. Then, the days after his arrival in Germany, are not typical either. Some horses are really excited, others are just insecure - they just need some time to adjust and adapt. Now five weeks are over.

Capote is a very strong-minded but friendly horse. All his neighbors at the stable he is friends with. And most remarkable, he knows me from my steps. When I come, he comes running and neighs. He is extremely close and this will be even stronger once he lives at our house. When he is in the arena, he does not care about any noises and machines around him. He is bomb-proof.

Capote is like me when it Comes to eating. Just show him the hay and he gains 10 pounds. This is certainly something to closely watch but I am confident we will find our common diet. Together.

Strolls in the fields are nothing he seems to have much experience with. He spooks with little kids in Bobby cars as well as bikes riding closeby. But we will be working on that. Unfortunately, it seems all my saddles (I have quite a few) do not fit him well. I discovered that recently with my riding instructor. To me the saddle looks good on him, but apparently something gives him pressure. So I have to get that checked. In the meantime, we do a lot of work at hand and some exercises for working equitation as the sideways pole...

We also do training in loading to my red Ifor Williams trailer, and we do training in separating the horses as at home, I can only ride or work one at a time. But all this seems to be lightweigth and easy. So there is quite a bit of challenge ahead until we are really the working team that we were with my wonderful Tabasco. It is too early to define goals beyond these. I will keep you posted.




Sunday, October 08, 2017

Cockpit goes Worker

Am Freitag war ich mit Cockpit zum allerersten Mal in einer Reithalle, und zum allerersten Mal in einer Reitstunde! Mir ist das eigentlich erst komplett bewusst geworden, als ich mit ihm in der Halle war und mir der Ausbilder ein paar Fragen stellte. Wie er denn so ist (wusste ich nicht, außer: schissig), was er genau dressurmäßig geht (wusste ich nicht)... ähm. Dabei habe ich Cockpit jetzt schon 2 Jahre.

Nur, er ließ bzw. lässt sich ja nicht verladen, so dass ich gezwungen war, zuhause ausschließlich auszureiten - was anfangs auch nicht so wirklich lustig und gechillt war. Und dann kamen die drei Monate Pause wegen der Hüft OP (also vor und nach der OP) dazu. Also. Kurz, ich war ahnungslos mit einem ahnungslosen Pferd und ohne jahrelang Reitunterricht gehabt zu haben, zu einem Working Equitation Kurs gegangen.

Warum? Aus Neugier, weil ich mal wissen wollte, was das so ist. Und der Termin stand bei uns im Stall fest - insofern konnte ich das auch nicht länger rausschieben, sondern dachte mal: go for it.

Die Aufgabe war ein kleiner Trail-Parcours mit Aufgaben aus der Working Equitation, den Mitja Hinzpeter ganz geduldig und sehr feinfühlig mit uns erarbeitet hat. Da das für Pit erstmal alles Schikanen waren, habe ich die dann auch so getauft was glaub ich einige Anwesende belustigt hat. Sollen sie doch lachen. Am Ende haben wir ganze acht Schikanen ziemlich gut gemeistert, incl. Tor (mit Hilfe von Mitja), Slaloms und Brücke (Achtung, gaaaanz spannend: einer der sich nicht verladen lässt, einfach mal so über die Brücke? Nun, ich denke danke an Luuk Teunissen, mit dem wir das Verladetraining gemacht haben). Am Ende dieser Stunde wusste ich sogar, dass mein Pferd ganz hervorragend stillstehen kann, dass er super wendig galoppiert, sehr versammelt galoppiert und insofern Übergänge und auch engere Volten kein Problem sind. Ich wusste nun auch, dass er nicht nur rückwärtsrichten kann, sondern auch ohne weiteres rückwärts um die Ecke geht. Und das Glöckchenläuten über seinem feinen Öhrchen ihm offenbar nichts ausmacht. Einfache Galoppwechsel sind überhaupt kein Problem, und fliegende hab ich nicht probiert. Ich wollte ja eigentlich ALLES nur im Schritt reiten!! Das hat wirklich Spaß gemacht. Ich bin stolz auf uns, ich habe diese Performance von Cockpit nicht erwartet - er hat sich selbst übertroffen und ich glaube, es hat ihm Spaß gemacht. Ich danke natürlich auch sehr Mitja Hinzpeter als Ausbilder, weil grad für solche Kombinationen total-Anfänger mit körperlichen Einschränkungen auf Spackopferden natürlich der Ausbilder eine immens große Rolle spielt.

Wer Cockpit nicht kennt: auf dem Weg zu diesem Kurs wollte ich eine Runde um die Rennbahn im Schritt reiten (wir sind erst seit 2 Tagen auf dem Hof, also war natürlich alles neu für ihn und im Gegensatz zu anderen Pferden sind neue Sachen erstmal gar nicht sein Ding), um einfach locker zu werden. Naja, nach ca. 3/4 der Rennbahn sah er im Abstand von ca. 200m eine Bremsenfalle (diese komischen schwarzen Bälle mit weißem Umhang) auf einer Koppel. Da war leider mal wieder alles aus. An solchen Monstern geht man nicht vorbei, nein, man geht am besten gar nicht erst in deren Nähe. Wer weiß, vielleicht fressen die auch weiße Pferde. Ich war dann mal gar nicht mehr locker, und bin zu Fuß an dem Monster vorbei. Das ging dann auch. Klasse Einstieg für die erste Reitstunde seit Jahren, die dann so klasse aufgehört hat! Und das mit einer neuen Hüfte, die gerade mal 14 Monate drin ist :-) :-)